Wolf Down Outing [tw: vergewaltigung, sexualisierte gewalt)

an alle genossinnen*, wolf down fans und alle anderen, die es betrifft: haltet euch fern von tobias, einem der gitarristen der band wolf down. mehrere frauen erheben vorwürfe betreffend sexueller übergriffe gegen ihn. im anschluss zwei kurze erlebnisberichte zweier der betroffenen frauen. ihre intention ist es, frauen über das risiko eines verhältnisses mit tobias aufzuklären, sein verhalten anzuprangern, und die band wolf down als das zu entlarven, was sie ist: ein sexistischer männerbund.


frau I:

ich war in etwa ein jahr lang mit tobias zusammen. die zeit ist schwierig anzugeben, da wir erst etwas “undefiniertes” hatten, was de facto aber einer monogamen beziehung glich, ich dann eine zeit lang den kontakt abgebrochen hatte, und wir daraufhin wieder einige monate in einer offenen aber dafür klar definierten beziehung waren. insgesamt lief das ganze aber über ein jahr, oder etwas mehr.

ich habe einen beschissenen background, wurde grosz mit sexuellem missbrauch durch verschiedene männer in meiner familie. ein halbes jahr, bevor ich tobias kennen lernte, wurde ich bewusstlos von einem bekannten vergewaltigt, der die situation ausnutzte. ich wachte von dem gefühl seines schwanzes in mir auf. das leben als frau ist beschissen. keinem dieser männer aus meiner vergangenheit ist jemals etwas passiert. weder meine versuche, mit ihnen zu sprechen, noch hilfe in meinem umfeld zu suchen, hatten in irgendeinem dieser fälle erfolg. direkt auf ihre taten angesprochen antworteten die männer immer mit “wovon redest du? ich habe doch gar nichts gemacht. du reagierst über, ich habe dich doch nur gestreichelt” (warum “streichelt” man nochmal ein 8-jähriges mädchen an den genitalien, bis es blutet?) oder “stimmt doch gar nicht. du warst überhaupt nicht bewusstlos!” (klar, deswegen habe ich auch minutenlang weder bewegt, noch gesprochen). ich will, dass es diesmal anders läuft. es muss diesmal anders laufen. ich muss andere frauen schützen, die nach mir kommen könnten, und ich muss mich selbst schützen.

die gesamte zeit mit tobias war geprägt von sexualisierter gewalt und sexuellen handlungen ohne konsens. ich möchte hier nicht ins detail gehen, weil ich nicht der meinung bin, das als opfer tun zu müssen, um ernstgenommen zu werden. viele menschen die diesen text lesen werden wissen, wer ich bin, und ich möchte diesen leuten nicht die genugtuung verschaffen, zu erfahren, in welchen formen ich gedemütigt worden bin. ich sage nur soviel: tobias fragte nicht nach, wenn doch hiesz “nein” für ihn “überzeug mich”, er achtete nicht darauf, wenn ich weinte, ihm sagte ich habe schmerzen und es mache mir keinen spasz, oder mir (auch das passierte ein paar mal) in den mund kotzte. auszerdem gab er mir teilweise nicht einmal die möglichkeit, ihm zu sagen, dass ich etwas nicht wollte, weil er mich überraschend penetrierte, obwohl ich ihm den rücken zugewandt hatte. ich habe mich sehr lange nicht getraut, ihm eine ansage zu diesem widerlichen verhalten zu machen, weil ich damit aufgewachsen bin, dass sex mit männern pflichterfüllung bedeutet. dass man keine wünsche oder ansprüche äuszern darf. dass man mit sich machen lässt.

da tobias mich auch sonst nicht gut behandelte (auch hier hätte ich unzählige beispiele, aber aus schutz meiner privatsphäre keine lust ins detail zu gehen), brach ich nach etwa einem halben jahr den kontakt zu ihm ab. ich zog in eine neue stadt, in der ich die frau kennen lernte, von der der zweite erlebnisbericht kommen wird. wir gaben uns gegenseitig kraft und reflektierten gemeinsam unsere sexuelle vergangenheit mit tobias und kamen zu dem schluss: es geht uns beiden sehr schlecht damit. erst dadurch, durch das gefühl, nicht alleine zu sein, traute ich mich, als ich nach circa einem monat ohne kontakt wieder mit tobias sprach, ihm eine deutliche ansage zu machen. er rechtfertigte sich, entschuldigte sich bei mir, aber eher nach dem motto, es täte ihm leid, wenn das wegen meiner vergangenheit schlimm für mich gewesen sei, beispielsweise von ihm ohne zustimmung geschlagen worden zu sein. dass es für jede person beschissen ist, sexualisierter gewalt ausgesetzt zu sein, kam ihm nicht in den sinn. trotz allem kamen wir wieder zusammen. in dieser “zweiten hälfte” verhielt er sich korrekter, allerdings hatten wir an sich kaum sex mehr, weil er einfach keinen bock mehr hatte, da es ihm mit konsens und auf mich achten irgendwie keinen spasz machte. drei monate bevor ich schluss machte, sprach ich das thema nochmal an und weinte sehr heftig. er rechtfertigte sich.

als ich mich dann schlieszlich endgültig trennte (im april), tat ich dies mit einer klaren ansage. ich sagte ihm am telefon ganz genau, dass ich mit ihm schluss machen MÜSSTE, weil meine psychische gesundheit mit einem verhältnis mit ihm unvereinbar sei und es mir in dem monaten mit ihm nur immer schlechter und schlechter ging. gegen ende der beziehung lebte ich mit immer mehr flashbacks, von dingen die er getan hatte und die ich nicht verarbeiten konnte. ich zählte ihm am telefon nochmal genau auf, was er genau getan hatte. ich heulte und ging nach dem gespräch kotzen.

einige tage später traf ich mich mit ihm in berlin, wo er wohnt, um zu reden. ich wollte ihm eine chance geben zu lernen, und vor allem erhoffte ich mir, dadurch mit ihm im kontakt zu bleiben, zu verhindern, dass er sich nochmal so verhalten könnte. auszerdem hatte ich damals angst, aus unserem gemeinsamen freund*innenkreis geschmissen zu werden, sollte ich tobias vor den kopf stoszen (was nicht besonders für das wolf down umfeld spricht). ich sagte ihm, wir könnten freunde bleiben, und wir sprachen mehrere stunden über alles zwischen uns vorgefallene. ich sagte ihm ganz genau: was du getan hast, war sex ohne jeglichen konsens, also per defintion vergewaltigung, auch wenn dieses wort schwer über die lippen kommt, umso mehr im kontext einer beziehung. ich sagte ihm, er stünde für mich in einer reihe mit den männern vor ihm, die mich vergewaltigt haben. für ihn war das schwer zu schlucken, und vieles was von ihm kam war der versuch, sich in ein besseres licht zu rücken. ich weinte heftig, wir umarmten uns – es muss ihm auf jeden fall spätestens an diesem tag klar geworden sein, dass er riesengrosze scheisze gebaut und einen menschen sehr verletzt hat.

trotzdem funktionierte das mit der freundschaft nicht so richtig. tobias reagierte gereizt auf meine versuche, mit ihm einige zeit später über das thema zu sprechen, er meinte er könne eben nicht mehr tun als zu versichern, dass er sich geändert habe, und ich müsse das thema auch irgendwann fallen lassen. mir ging es sehr schlecht in dieser zeit, ich hatte heftig mit flashbacks und suizidgedanken zu kämpfen. auszerdem gab es einige tage an denen die gedanken an ihn und das erlebte so schlimm wurden, dass ich kotzen musste. wir hatten dann nochmal über chat kontakt, er regte sich darüber auf, dass ich von dem thema nicht ablassen würde, und schrieb mir, er könne nichts für das geschehene, denn “als bayrischer dorfjunge hat mir niemand etwas über konsens beigebracht”. dieser satz brachte für mich das fass komplett zum überlaufen und ich blockierte ihn überall. da er mitbekommen hatte, dass ich von diesem letzten statement einen screenshot gemacht hatte, versuchte er im nachhinein noch, sich halbherzig zu entschuldigen, erreichte mich aber nicht mehr.

ich bin fertig mit diesem mann und mit allen männern, die so sind wie er. hätte er mein vertrauen gewertschätzt und sich darauf eingelassen, mit mir das geschehene gemeinsam zu reflektieren und zu verarbeiten, ich wäre mit tobias noch jetzt befreundet und dieser text würde niemals entstehen. aber dass ich ihm immer wieder erklären musste, was respektvolles verhalten ist und dass er sich nicht aus der affäre ziehen kann, wenn er einen menschen vergewaltigt hat, das habe ich nach einigen wochen nicht mehr ausgehalten. er verhält sich so wahnsinnig respektlos, schreibt meine beste freundin an und bedrängt sie, um an mich ranzukommen, behauptet teilweise, er hätte gar nicht gewusst worum es geht (ich habe es ihm MEHRMALS im detail erklärt was er getan hat. auszerdem war er ja wohl dabei). ich wähle diesen letzten weg aus verzweiflung und aus wut. verzweiflung, weil ich nicht glaube, dass er sich geändert hat, und ich nicht will, dass er noch mehr frauen verletzt und traumatisiert. wut, weil ich tobias viel zu lange geschützt habe und es zeit ist, ihn als das zu outen, was er ist: ein vergewaltiger und ein frauenfeind.


frau II:

ich lernte tobias vor drei jahren kennen, als ich gerade 18 geworden war. er war für mich von anfang an eine schlüsselperson in meinem leben, da er mein erster politischer kontakt war und auch einer der ersten männer, mit denen ich je sex hatte. das alles brachte mich von anfang an in eine abhängigkeitsposition. tobias genoss nicht nur, mich politisch zu dem zu “formen”, was er für richtig hielt, sondern vor allem auch meine sexuelle unerfahrenheit war für ihn wichtig, da er mir so alles was er mit mir machen wollte als “normal” beziehungsweise “die norm” verkaufen konnte.

das fing schon mit unserem ersten sex an, bei dem er mir eine ohrfeige gab – ohne zu fragen. ich traute mich nichtmal, das zu hinterfragen. etwa ein halbes jahr später sprach ich mit einer freundin, die auch mit ihm geschlafen hatte, und sich über genau dasselbe ausheulte. und über noch mehr. aber auch ich möchte eigentlich auf so viele details wie möglich verzichten.

an sich verhielt tobias sich bei mir korrekter als bei frau I – er fragte mich bei dem meisten nach meinem einverständnis. ich sagte zu allem ja, und der grund dafür lag darin, dass ich ihm eben alles geben wollte, wovon er mir das gefühl gab, es sei eben normal. es ist schwierig, diese gefühle in worte zu fassen, und ich traue mich kaum, so eindeutig von sexualisierter gewalt zu sprechen wie frau I (auszer definitiv bei dem vorkommnis mit der ohrfeige). allerdings halte ich das, was zwischen tobias und mir vorgefallen ist, für ein weit verbreitetes problem in heterosexuellen sexuellen beziehungen und ich kritisiere ihn dafür, dass er mir durch die sowohl inhärente als auch von ihm produzierte machtasymmetrie viele handlungsspielräume und räume zum “nein”-sagen genommen hat. sein verzerrtes frauenbild machte sich während unserer gemeinsamen zeit (die sich in bruchstücken über mehrere jahre erstreckte) immer wieder deutlich. ich fühlte mich durch ihn oft als sexobjekt benutzt, und war immer nur so gut wie versaut ich war (auch im vergleich zu anderen frauen, die ihm nicht genug seiner bedürfnisse erfüllten). auch frau I setzte er, wie sie mir später erzählte, öfters mit dem verweis auf mich unter druck: ich hätte ja alles gemocht, für mich sei das okay gewesen, und frau I würde eben nur nicht auf seinen erniedrigungsfetisch stehen, weil sie psychisch kaputt sei. ihm immer nur auf dieser grundlage nah sein zu dürfen – dass ich eben die war, die alles gerne mit sich machen liesz – nahm mir die möglichkeit, ihm auch mal grenzen zu setzen.

ich hoffe, dass sich durch dieses outing vielleicht ein paar frauen ermutigt fühlen, ähnliche probleme mit denen sie zu kämpfen haben anzusprechen, oder sich aus situationen mit männern zu lösen, in denen es ihnen genauso geht.

das absurde in der beziehung zu tobias lag darin, dass er sich einerseits als retter und lehrer aufspielte, der mich politisch erzog und mir erklärte, was sexismus sei und wie ich mich zu emanzipieren hätte. andererseits brachte er mich zeitgleich dazu, zu allem ja und amen zu sagen, was er von mir wollte, da ich mich neben ihm nicht als autonome, starke person fühlte. in der beziehung zu tobias ging es bei mir vor allem um emotionalen missbrauch, der mit dem sexuellen aspekt allerdings eng verwoben war, weswegen ich mich diesem outing anschlieszen möchte. ich möchte meine genossinnen* vor diesem menschen gewarnt wissen.

und auch vor dem männerbund wolf down möchte ich warnen. auch mit dem drummer, sven, hatte ich mehrere monate kontakt. in dieser zeit hat er sich sowohl durch seine aussagen als auch sein verhalten als schwerer sexist erwiesen. ich verzichte an dieser stelle auf jegliche details, um andere involvierte personen zu schützen.

fight cops, nazis and wolf down!

GEMEINSAM fordern wir beide, dass wolf down die konsequenzen aus diesem outing ziehen, wie auch immer diese aussehen werden. klar ist für uns, dass wir sie danach bewerten werden, wie sie auf dieses outing reagieren. wir haben die geduld mit mackern, sexisten und vergewaltigern verloren. sollten wolf down versuchen, sich beziehungsweise das verhalten einiger ihrer mitglieder zu rechtfertigen oder abzustreiten, oder gar die anschuldigungen schlichtweg zu ignorieren, werden sie nicht ungestört bleiben. die zeiten des fröhlichen männerbundes sind vorbei. immer mehr frauen* zeigen sich solidarisch mit uns, sind enttäuscht von dieser ach so “politischen” band, und werden ihre wut nicht für sich behalten. rechnet damit, dass konzerte gestört werden, leute in wolf down pullis angesprochen und diese band nicht mehr ungefragt gefeiert werden wird. rechnet mit widerstand gegen euren sexistischen normalzustand. contra la violencia machista, autodefensa feminista! gegen die machogewalt, feministische selbstverteidigung!